Oudtshoorn – die Stadt der Straußenfarmen

1847 von Siedlern gegründet, wurde der Ort nach dem damaligen Gouverneur der Kap-Region, Baron van Rheede von Oudtshoorn, benannt. Als im Jahr 1865 eine große Trockenheit diese Gegend heimsuchte, merkten die Bewohner bald, dass die hier lebenden Strauße am besten damit zurecht kamen. Indem wenige Jahre später mit dem Anbau von Luzerne auch das Futterproblem für diese Tiere gelöst war und das nötige Wasser aus dem Olifants River und dem Grobbelaars River entnommen werden konnte, begann nun die Epoche, in der in und um Oudtshoorn die Zahl der Straußenfarmen rasch anwuchs. Das Fleisch und vor allem die Federn der Strauße sicherten bald den Wohlstand der Farmer. Trotz der Auswirkungen des Burenkrieges um das Jahr 1900, setzte sich der Siegeszug der Straußen-Farmer bis zum 1. Weltkrieg fort. Bekannt unter den Namen der „Feder-Barone“ konnten sie mit Hilfe der meist jüdischen Feder-Händler einen beachtlichen Reichtum anhäufen, der unter anderem zum Entstehen prächtiger Paläste und Villen in Oudtshoorn führte.

Nach Gold und Diamanten wurden Straußenfedern zum wichtigsten Exportschlager Südafrikas. Erst durch die Folgen des 1. Weltkriegs und die, die Hüte der Damenwelt immer mehr im Fahrzeuginneren verschwinden lassende Zahl von Autos, wurde dieser Boom beträchtlich eingedämmt.

Gegen Ende des 20. Jahrhunderts, nachdem auch das industrielle Gerben von Straußenleder und der Export von Straußenfleisch das Geschäft nur teilweise beleben konnte, brach durch den zunehmenden Schmuggel von Eiern und Küken und die die Stadt Oudtshoorn im Jahr 1996 heimsuchende Jahrhundertflut der Niedergang der Straußenfarmen an.

Auch heute bringt ein Gang durch Oudtshoorn noch manche Begegnung mit dem für die Entwicklung der Stadt so bedeutendem Federvieh. Da sind die Frauen und Händler am Straßenrand, die Staubwedel, Federboas und bemalte Eier anbieten. Viele Curio Shops leben ebenfalls vom Verkauf der Produkte, die der Strauß liefern kann. Nicht zuletzt aber beeindrucken die Gebäude, die in der Zeit von vor 100 bis 150 Jahren entstanden sind.

strauss

Auf einem Hügel thront die zweistöckige Villa Pinehurst im viktorianischen Baustil über der Stadt. Im gleichen Stil wurde das Gotland House errichtet, das mit seinen bunten Fenstern und einem hübschen Türmchen auf den Dach imponiert. Dagegen überzeugt das Gebäude der Moederkerk vor allem durch seine gediegene Innenausstattung.

Die museale Sammlung von Antiquitäten, Waffen, Musikinstrumenten und anderen Dingen von Charles Paul Nel, einem Engländer, der ausnahmsweise nichts mit Straußen zu tun hatte, ergab die Grundlage für das große CP Nel Museum, das in einem Sandsteingebäude im Zentrum von Oudtshoorn und im Le Roux House untergebracht ist. In ihm erfährt der Besucher auch alles über die Geschichte der Straußenzucht, über die Große und Kleine Karoo und über das häusliche Leben vor über einhundert Jahren.

Zu den Sehenswürdigkeiten gehört außerdem die knapp 100 Meter lange Hängebrücke über den Grobbelaars River, die aufgrund ihrer eleganten Konstruktion als nationales Denkmal eingestuft ist.

Natürlich existieren in der Gegend um Oudtshoorn auch noch einige Straußenfarmen, wie die Safari Ostrich Show Farm mit ihrem noch bewohnten Herrenhaus Welgeluk. Die meisten Farmen bieten Show-Programme für Touristen an, deren Höhepunkt oft der Ritt auf einem Strauß sein kann. Einige Farmen bieten zusätzlich Übernachtungsmöglichkeiten an.

Wer Oudtshoorn besucht, sollte nach Möglichkeit eine Fahrt auf Südafrikas schönster Passstraße einplanen. Sie führt zunächst zu den Cango Caves, einem gewaltigen Höhlensystem unter den Swartbergen, das in Teilen oder in einer besonderen Tour auch ganz besichtigt werden kann.
Die Fahrt führt dann an Abhängen entlang hinauf zum Swart Berg Pass, von dem aus sich herrliche Ausblicke auf Oudtshoorn und bei guter Sicht bis zum Indischen Ozean ergeben. Als einzige Einschränkung ist zu beachten, das größere Teilabschnitte der etwa 25 Kilometer langen Strecke über einen gewöhnungsbedürftigen Natur-Straßenbelag führen.